Rezension: Gretas Klimabuch

Zahlen, Daten, Fakten, Meinungen, Beobachtungen und Visionen zum Leben mit dem Klimawandel. Ich hab Greta Thunbergs Klimabuch gelesen – und ich finde, dass das auch andere tun sollten.

Die wichtigsten Infos zuerst: Greta Thunberg hat ihr Klimabuch nicht allein geschrieben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Journalistinnen und Journalisten, Aktivistinnen und Aktivisten, Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt haben insgesamt 84 Artikel zu dieser Zusammenschau beigetragen.
Und: Nicht alle arbeiten auf Basis desselben Zahlenmaterials. Was bedeutet, dass Prognosen über das Fortschreiten des Temperaturanstiegs und seine Folgen für das Leben in der Welt in diesem Buch voneinander abweichen können. Das muss man aushalten. Das ist aber gleichzeitig auch eine Stärke dieses Buchs. Es tut nicht so, als wäre in Sachen Klimawandel alles klar. Es lässt stattdessen manche Dinge offen, weil einfach niemand genau vorhersagen kann, wie sie sich entwickeln werden.

Alle Autor*innen sind sich einig: Es gibt eine vom Menschen verursachte Erderwärmung. Das Klima ändert sich und wir leben schon mitten in dieser Veränderungsphase. Und obwohl man weiß, dass z.B. das Grönlandeis bei einer Erwärmung von 1,5°C im Vergleich zum vorindustriellen Niveau abschmelzen wird, kann niemand genau vorherberechnen, wie lange das dauern wird. Auch das muss man aushalten.

Das Spannende an diesem Buch ist, dass es nicht nur unglaublich viele Informationen enthält (die so verständlich erklärt werden, dass sogar ich sie verstehen kann), sondern auch Zusammenhänge aufzeigt, über die man im allgemeinen Diskurs nicht oft spricht. Der Artikel von Robin Wall Kimmerer z.B. widmet sich dem Zusammenhang von Spiritualität und Umweltschutz – und der hat mich sehr zum Nachdenken gebracht.

Um dieses Problem zu lösen, müssen wir es zunächst verstehen – und begreifen, dass es definitionsgemäß aus einer Reihe miteinander verknüpfter Probleme besteht. Wir müssen die Fakten darlegen und sagen, wie es ist.

Greta Thunberg

Zusätzlich zu den Infos, die helfen sollen, zu verstehen, warum der Klimawandel tatsächlich ein Problem für das Leben auf der Erde, wie wir es bisher kennen, ist, bietet das Klimabuch auch Ansätze zum Selbst-Aktivwerden an, und definiert sogar ein paar Nicht-Lösungen (z.B.: CO2-Abscheidung – zu ineffizient und zu teuer). Allerdings: Die Erklärung des Problems nimmt doch ein bisschen mehr Platz ein. Und weil das nicht unbedingt die erfreulichste Lektüre ist, würd ich empfehlen das Buch in kleinen Schritten und eher an guten Tagen zu lesen. Beim Lesen des Artikels über Mikroplastik von Karin Kvale z.B. kann einem schon das Grausen kommen. Und wenn man bei Hindou Oumarou Ibrahim liest, wie konsequent indigenes Wissen von der Weltgemeinschaft ignoriert wird, möchte man gern aus der Haut fahren…

Am Ende hat dann doch nochmal Greta das Wort und zeigt, dass die Klimakrise auch eine Gerechtigkeitskrise ist, denn Ursachen und Auswirkungen der globalen Erwärmung sind nicht gleich verteilt. Es gibt an allen Fronten noch viel zu tun.

Insgesamt würd ich sagen, dass das Klimabuch als einführende Lektüre für alle, die sich bisher noch gar nicht mit der Materie beschäftigt haben, vielleicht ein bisschen zu steil ist. Aber für alle, die zumindest schon ein paar Zeitungsberichte gelesen haben, ist es sicher eine echt gute Weiterführung. Die Quellenangaben via QR-Code sind zwar ein bisschen gewöhnungsbedürftig, aber dafür sind die Info und Inspiration, die man aus dem Buch bekommt, top.
Eine klare Empfehlung meinerseits!

Glühbirne - Infobeitrag

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